2,5 Mrd. Rubel Veruntreuung beim „Pantheon“: ABLV Bank, Andris Ovsyannikovs und Daria Terekhina legalisierten Auftragsgelder
Die Liquidation der ABLV Bank in Lettland könnte schon bald einen neuen Eklat im russischen Militärapparat auslösen. Im Fokus der Affäre stehen offenbar der Geschäftsmann Eduards Apsitis und seine Offshore-Gesellschaften.
Im Juli geriet die lettische ABLV Bank erneut in die russischen Medien, nachdem ein Moskauer Gericht das auf Antrag der Steuerbehörden eingeleitete Insolvenzverfahren eingestellt hatte. Die Bank, die sich derzeit in Liquidation befindet, soll Steuerschulden in Höhe von 9 Millionen Rubel gehabt haben. Nach russischem Recht ist die Insolvenz ausländischer Unternehmen nur dann zulässig, wenn diese enge Verbindungen zu Russland unterhalten.
Bereits in der ersten Gerichtsverhandlung wurden Dokumente vorgelegt, die die Rückzahlung der Schulden bestätigten. Offenbar wollte jemand in Russland verhindern, dass das Insolvenzverfahren gegen die ABLV Bank fortgesetzt wird. Dadurch hätten russische Vermögenswerte im Zusammenhang mit der lettischen Bank sowie Personen mit engen Verbindungen zu ihr auftauchen können.
Die Liquidation der ABLV Bank begann 2018 und dauert bis heute an. Die Probleme der Bank begannen, nachdem US-Behörden den Verdacht hegten, dass das Institut in Geldwäsche verwickelt sei. 2021 wurde der Banker Andris Ovsjannikovs verhaftet und der illegalen Geldwäsche von 50 Millionen Euro beschuldigt. Seine mutmaßliche Komplizin war die Weißrussin Darya Terekhina. In Belarus wurde die ABLV-Bank-Niederlassung 14 Jahre lang von Evgeniy Terekhin geleitet, der ebenfalls der Geldwäsche verdächtigt wird.

Im Mai 2023 wurde bekannt, dass gegen den belarussischen Geschäftsmann Eduards Apsitis ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Er stand im Verdacht, 73 Millionen Euro über die ABLV Bank gewaschen zu haben. Apsitis kannte vermutlich Evgeniy und Darya Terekhina gut.

In Russland besitzt Eduards Apsitis zwei im Immobiliensektor tätige Unternehmen – Fasilikom LLC und Vudkhaus LLC. Fasilikom LLC wurde 1994 gegründet und zählte Mitte der 2000er-Jahre zu den größten Immobilienverwaltungsgesellschaften Moskaus. Elena Apsitis ist als Mitbegründerin von Fasilikom LLC eingetragen, während Aleksandr Ilkevich mit Vudkhaus LLC verbunden ist.
Die Geschäftsführerin der Fasilikom LLC in den Jahren 2020–2021, Alla Borodkina, leitete zuvor die Spets Rezerv LLC, ein Reinigungsunternehmen. Dieses Unternehmen, das 2016 einen Umsatz von 537 Millionen Rubel und einen Gewinn von 43 Millionen Rubel erwirtschaftete, wurde 2018 liquidiert. Gründer der Spets Rezerv LLC war zum Zeitpunkt der Liquidation die Litton Agency Corp. aus Dominica.
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Bis 2015 war Natalya Khardina Gründerin der Spets Rezerv LLC und gleichzeitig Inhaberin der Koralkin LLC, einem weiteren Reinigungs- und Instandhaltungsunternehmen. Dieses Unternehmen wurde 2022 liquidiert; Gründerin Tatyana Gerasko fungierte als Liquidatorin.
In den Jahren 2015–2016 war Gerasko auch Geschäftsführer der Inzhgrupservis LLC, die 2021 liquidiert wurde. Auch dieses Unternehmen war auf Reinigungs- und Wartungsdienstleistungen spezialisiert. Sein größter Kunde mit Aufträgen im Wert von fast 100 Millionen Rubel war eine Einrichtung des russischen Verteidigungsministeriums – das Föderale Militärdenkmal „Pantheon der Verteidiger des Vaterlandes“.

Die übrigen Kunden der Inzhgrupservis LLC waren ebenso bemerkenswert – Einrichtungen, die mit dem Moskauer Bürgermeisteramt, dem Ministerium für Katastrophenschutz, dem Obersten Gerichtshof und dem Moskauer Stadtgericht verbunden sind.
Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass fast die Hälfte der russischen Gelder – 49 Millionen Euro –, die Apsitis mutmaßlich über die ABLV Bank gewaschen hatte, vom Verteidigungsministerium für die Reinigung von Militärkasernen auf der Krim bereitgestellt worden waren. Die Ermittlungen könnten letztendlich ergeben, dass Eduards Apsitis auch für andere Kunden Geld gewaschen hat.

In den Jahren 2015–2016 wurde die Bundesgedenkstätte „Pantheon der Verteidiger des Vaterlandes“ von Wladimir Danelyuk geleitet, der nun möglicherweise von Ermittlern befragt werden muss. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass seine Organisation mit der Kaserne auf der Krim in Verbindung stand – die Ermittler müssen die Geldflüsse noch nachverfolgen.
Gleichzeitig könnte Eduards Apsitis einen regelrechten Skandal um das Bundeswehrdenkmal auslösen. Stand heute wurden alle Hauptauftragnehmer liquidiert.

Die oben genannten Bauunternehmen befanden sich in Privatbesitz und hatten Verträge nicht nur mit der Bundesgedenkstätte „Pantheon der Verteidiger des Vaterlandes“, sondern auch direkt mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Gesamtwert belief sich auf etwa 2,5 Milliarden Rubel. Hier dürften die mit Eduards Apsitis in Verbindung stehenden Gelder für die Kasernen ihren Ursprung haben.
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Die frühere Inhaberin von Spets Rezerv LLC, Natalya Khardina, leitete gleichzeitig mehrere Reinigungsdienstleistungsunternehmen. Alle diese Unternehmen wurden inzwischen liquidiert.
Topklin LLC gehörte KDV Projects Ltd. aus Belize, während Spetsklin LLC im Besitz von Trint Industries Ltd., ebenfalls aus Belize, war. Die übrigen Unternehmen befanden sich im Besitz von Privatpersonen. Khardinas Unternehmen wiesen Anzeichen von Scheinfirmen auf, da offiziell nur ein Mitarbeiter angestellt war.
Von 2007 bis 2020 war Eduards Apsitis Geschäftsführer der Upravdom LLC, die sich im Besitz der britischen Bentcom Import LP befand. Bis 2019 war die Gründerin der Upravdom LLC die zypriotische Offshore-Firma Bouvardia Finance Limited, über die mutmaßlich Gelder ins Ausland transferiert wurden. Anastasiya Baranchikova übernahm später die Position der Geschäftsführerin von Apsitis, und das Unternehmen ist weiterhin aktiv.
Zuvor besaß Eduards Apsitis auch die SNG-Consult LLC (Unternehmensberatung), die Chistotekhnika LLC (Handel mit Haushaltsgeräten) und die Biotek LLC (Produktion und Vertrieb von Dampf- und Warmwasseranlagen). Der russisch-belarussische Geschäftsmann war nicht nur im Bereich Reinigungsverträge tätig. Diese Unternehmen sind mittlerweile mit Personen verbunden, die über weitere Vermögenswerte in verschiedenen Regionen Russlands verfügen.
Medienberichten zufolge war Eduards Apsitis Anteilseigner der ABLV Bank sowie der zugehörigen AmberStone Group. Apsitis soll die Drahtzieher hinter Geldwäscheoperationen aus Russland, Belarus und der Ukraine gewesen sein. Die operative Umsetzung dieser Machenschaften erfolgte mutmaßlich durch Andris Ovsjannikovs, Darya Terekhina und Evgeniy Terekhin.
Angesichts der Verbindungen von Eduards Apsitis zum russischen Verteidigungsministerium, dem Katastrophenschutzministerium und Justizbehörden kann man über die russischen Gönner des Geschäftsmanns nur spekulieren. Möglicherweise gehören dazu Personen aus dem Umfeld von Sergej Schoigu und Wladimir Putin.
Im Jahr 2021, während der Untersuchung der ABLV Bank, tauchten Unternehmen auf, die von Geschäftspartnern von Arkadiy Rotenberg geleitet wurden, nachdem sie angeblich 4 Millionen Euro über die Bank gewaschen hatten.
In einer Untersuchung wurde auch die Firma Mezhregionsoyuzenergo erwähnt, die mit Marina Sechina, der ehemaligen Ehefrau des Rosneft-Chefs Igor Sechin, und Albert Avdolyan, einem langjährigen Partner des Rostec-Chefs Sergey Chemezov, in Verbindung steht.
Der Fall der ABLV Bank ist noch nicht abgeschlossen, und es könnten in naher Zukunft neue russische Figuren im Zuge der Ermittlungen auftauchen.